Seit dem 1. Juni 2026 rechnet GitHub seinen KI-Programmierassistenten Copilot nicht mehr pauschal ab, sondern nach Verbrauch. Statt eines festen Monatspreises mit grosszügigem Kontingent zahlen Nutzer jetzt pro verbrauchten Token. Die Reaktion der Entwickler fiel heftig aus: einzelne berichten von Kosten, die binnen Wochen von rund 29 auf fast 750 Dollar im Monat sprangen. Für Geschäftsführer ist die Geschichte weniger eine Programmierer-Petitesse als ein Vorgeschmack darauf, wie KI-Werkzeuge künftig kosten werden.
Was sich bei Copilot konkret geändert hat
GitHub hat die bisherigen “Premium Requests” durch sogenannte AI Credits ersetzt. Abgerechnet wird nach Token-Verbrauch, also nach Eingabe, Ausgabe und zwischengespeicherten Daten, zu den veröffentlichten Preisen des jeweiligen Modells (Quelle: github.blog). Die Tarife selbst klingen unverändert, doch das Kontingent ist es nicht mehr.
- Copilot Pro: 10 Dollar im Monat, darin 10 Dollar an AI Credits enthalten.
- Copilot Pro+: 39 Dollar im Monat, darin 39 Dollar an Credits.
- Copilot Business: 19 Dollar je Nutzer und Monat (in der Übergangsphase Juni bis August mit 30 Dollar Credits).
- Copilot Enterprise: 39 Dollar je Nutzer (übergangsweise 70 Dollar Credits).
Die klassische Code-Vervollständigung bleibt in allen Tarifen ohne Verbrauch enthalten. Sobald der KI-Assistent aber eigenständig Aufgaben übernimmt, also “agentisch” arbeitet, läuft der Zähler. Genau das begründet GitHub als Motiv: Die agentische Nutzung werde zum Normalfall und verursache deutlich höhere Rechen- und Inferenzkosten.
Warum die Entwickler Sturm laufen
Auf der Ankündigung sammelten sich laut Berichten über 400 Kommentare und fast 900 Ablehnungen. Ein Nutzer berichtete, eine einzige Änderung an seinem Projekt habe mehr als 6 Dollar gekostet, der Verbrauch sei “unmöglich vorherzusagen”. Ein anderer sah 16 Prozent seines Monatsbudgets “für im Grunde nichts” verschwinden (Quelle: theregister.com). Der Tenor: Wer seine tägliche Arbeit auf die alte Kalkulation aufgebaut hatte, erlebt den Wechsel als Mogelpackung.
TechCrunch dokumentiert noch drastischere Einzelfälle, etwa einen Sprung von rund 50 auf etwa 3.000 Dollar im Monat, samt Kommentaren wie “Was für ein Witz” und der bitteren Pointe, das goldene Zeitalter von Copilot sei “für die Kleinen zumindest” vorbei (Quelle: techcrunch.com). Microsoft, Eigentümer von GitHub, äusserte sich auf Anfrage nicht. Diese Einzelbeträge sind Erfahrungswerte intensiver Nutzer, kein Durchschnitt. Aber sie zeigen die Spannweite, die ein verbrauchsbasiertes Modell aufmacht.
Der eigentliche Trend: KI wird wie Strom abgerechnet
Copilot ist kein Einzelfall, sondern Beispiel. KI-Anbieter merken, dass leistungsfähige Modelle im Dauerbetrieb teuer sind, und geben die Kosten weiter. Der Festpreis war eine Wette des Anbieters auf moderate Nutzung. Diese Wette geht nicht mehr auf, sobald Assistenten ganze Aufgaben selbstständig abarbeiten und dabei grosse Textmengen verarbeiten. Die Folge ist ein Wechsel vom Abo-Denken zum Zähler-Denken: Sie zahlen nicht mehr für einen Zugang, sondern für jede einzelne Aktion. Das ist betriebswirtschaftlich ehrlicher, aber für die Planung unbequem, weil die Rechnung am Monatsende vorher kaum feststeht.
Was das für Unternehmen bedeutet
Die wichtigste Lehre ist nicht “Copilot meiden”, sondern “das Preismodell verstehen, bevor man Prozesse darauf aufbaut”. Wer einen KI-Dienst fest in den Arbeitsalltag einbaut, etwa in der Angebotserstellung, im Kundensupport oder in der Dokumentation, sollte vorher wissen, ob er einen kalkulierbaren Festpreis hat oder einen Zähler, der bei mehr Nutzung mitläuft. Beides kann sinnvoll sein. Aber nur das eine lässt sich sauber budgetieren.
Drei konkrete Schritte, die jeder Betrieb ohne grossen Aufwand gehen kann:
- Ausgabengrenze setzen. Die meisten Anbieter erlauben harte Limits oder Warnschwellen pro Monat. Aktivieren Sie diese, bevor das erste Team loslegt, nicht danach.
- Verbrauch sichtbar machen. Lassen Sie sich wöchentlich zeigen, welcher Dienst wie viel kostet. Eine Tanzschule mit zwei KI-Tools merkt sonst erst auf der Kreditkartenabrechnung, dass ein Automatismus aus dem Ruder läuft.
- Modell zur Aufgabe wählen. Nicht jede Routineaufgabe braucht das teuerste Modell. Eine Terminbestätigung oder eine Standardantwort lässt sich mit einem kleinen, günstigen Modell erledigen, das teure bleibt den komplexen Fällen vorbehalten.
- Lokale KI einsetzen. Der Einsatz einer Lokalen KI würde nicht nur die Kosten planbar deckeln und senken, sondern hat zusätzlich noch den großen Vorteil einer DSGVO-Konformen Nutzung.
Vor allem aber gilt: Verlassen Sie sich nicht darauf, dass ein heute attraktiver Tarif morgen noch gilt. Copilot zeigt, dass ein Anbieter die Spielregeln über Nacht ändern kann. Wer seine wichtigsten Abläufe an genau ein Werkzeug kettet, ist erpressbar. Wer von Anfang an weiss, welches Modell er warum nutzt und wie er im Ernstfall wechselt, behält die Kontrolle über seine Kosten. Das kostet etwas Vorarbeit, spart aber die böse Überraschung am Monatsende.
Quellen