IT-Fachkräftemangel halbiert: für kleine Firmen ändert das wenig
08. September 2026
KI-generiert, redaktionell von 8thsense ausgewählt, geprüft und freigegeben. EU AI Act, Art. 50
Der IT-Fachkräftemangel in Deutschland hat sich binnen drei Jahren fast halbiert. Der Bitkom zählt aktuell 79.000 unbesetzte IT-Stellen, 2023 waren es noch 149.000 (Quelle: bitkom.org). Für Geschäftsführer klingt das nach Entspannung am Arbeitsmarkt. In der Praxis berichten aber 97 Prozent der Unternehmen mit offenen IT-Stellen weiterhin von Schwierigkeiten bei der Besetzung. Und die Bundesagentur für Arbeit widerspricht dem Verband in einem zentralen Punkt.
Die Zahlen: von 149.000 auf 79.000
Der Bitkom erhebt die Zahl jährlich per repräsentativer Telefonumfrage. Für den aktuellen Studienbericht wurden Unternehmen ab drei Beschäftigten in Deutschland befragt, in zwei Erhebungen mit 853 beziehungsweise 602 Teilnehmern, im Zeitraum der Kalenderwochen 18 bis 25 des Jahres 2026. Der Rückgang verläuft stetig: 149.000 offene Stellen im Jahr 2023, 109.000 im Jahr 2025, jetzt 79.000. Das ist ein Minus von rund 47 Prozent. Gleichzeitig sagen 78 Prozent der befragten Unternehmen, sie beobachteten weiterhin einen Mangel an IT-Fachkräften. Nur 14 Prozent halten das Angebot für ausreichend, 5 Prozent sehen sogar ein Überangebot. 76 Prozent erwarten, dass sich die Lage in den kommenden Jahren wieder verschärft. Gesucht werden vor allem IT-Administration und Systembetrieb (26 Prozent), Softwareentwicklung und Architektur (17 Prozent), Cloud und Infrastruktur (14 Prozent) sowie KI-Spezialisten (12 Prozent).
Die Arbeitsagentur sieht es anders
Interessant wird es beim Abgleich mit amtlichen Daten. Während der Bitkom weiter von einem Mangel spricht, führt die Bundesagentur für Arbeit in ihrer aktuellen Engpassanalyse kaum noch IT-Berufe als Engpassberufe. Softwareentwicklung, IT-Vertrieb und Datenbankadministration tauchen dort nicht mehr auf, nur einzelne Spezialistentätigkeiten rangieren im unteren Drittel (Quelle: heise.de). Zwei Institutionen, zwei Bilder desselben Marktes. Die Erklärung liegt vermutlich in der Methodik: Der Bitkom fragt Unternehmen nach ihrer Wahrnehmung, die Arbeitsagentur rechnet mit Vakanzzeiten und Bewerberrelationen. Wer eine Stelle nicht besetzt bekommt, weil er das gewünschte Gehalt nicht zahlen kann, erscheint in der einen Statistik als Mangel und in der anderen nicht.
Woran Besetzungen wirklich scheitern
Die Gründe, die Unternehmen selbst nennen, haben mit Knappheit oft wenig zu tun. Laut Umfrage scheitern Besetzungen vor allem an diesen Punkten:
59 Prozent: Gehaltsvorstellungen passen nicht zur Qualifikation der Bewerber
48 Prozent: Gehaltserwartungen liegen über dem eigenen Gehaltsgefüge
47 Prozent: fehlende Deutschkenntnisse
42 Prozent: mangelnde Bereitschaft umzuziehen
35 Prozent: zu wenig Möglichkeiten für Remote-Arbeit
31 Prozent: auf die Ausschreibung kommen gar keine Bewerbungen
Für einen Betrieb mit 40 Mitarbeitern heißt das: Er konkurriert bei Gehalt, Standortbindung und Homeoffice-Regelung mit Arbeitgebern, die in allen drei Punkten flexibler sind. Der Markt hat sich entspannt, der Wettbewerb um die verbliebenen Kandidaten aber nicht.
KI in der IT-Abteilung: viel Einsatz, kaum Stellenabbau
Der zweite Teil der Erhebung betrifft die Frage, ob Künstliche Intelligenz die Lücke schließt. 42 Prozent der Unternehmen mit IT-Stellen setzen KI bereits in der IT ein, 36 Prozent planen es, 13 Prozent diskutieren darüber. Der Einsatz ist allerdings punktuell: 43 Prozent nutzen sie nur vereinzelt, 46 Prozent in ausgewählten Bereichen, lediglich 7 Prozent nahezu flächendeckend (Quelle: it-finanzmagazin.de). Beim Personal schlägt sich das bislang wenig nieder: Nur 10 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen haben vereinzelt Stellen abgebaut, 85 Prozent gar nicht. Für die Zukunft rechnen 32 Prozent mit Abbau, 65 Prozent nicht. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst formuliert es so: KI könne “in der IT zu einem echten Produktivitätstreiber werden”, sie verändere “ihre Aufgaben und die gefragten Kompetenzen und schafft zugleich neue Tätigkeitsfelder”. Bemerkenswert: Ein Drittel der Unternehmen, die Stellen nicht besetzt bekommen, nutzt KI inzwischen, um genau diese Lücken zu überbrücken.
Was das für Unternehmen bedeutet
Die praktische Lehre aus den Zahlen ist unbequem, aber klar: Wer 5 bis 250 Mitarbeiter hat, wird die eigene IT-Lücke in den nächsten Jahren nicht über Neueinstellungen schließen. Ein Pflegedienst, eine Tanzschule oder ein regionaler Freizeitanbieter stellt keinen KI-Spezialisten ein, und selbst eine Vollzeit-Administratorenstelle rechnet sich unterhalb einer gewissen Größe nicht. Der realistische Weg führt über zwei Hebel: erstens Aufgaben abgeben, die kein Mensch erledigen muss, zweitens vorhandene Mitarbeiter befähigen, mit den verbleibenden Werkzeugen umzugehen. Genau das tut das eine Drittel der Befragten, das KI zum Lückenfüllen einsetzt.
Der Fallstrick dabei ist bekannt: Standard-Software von der Stange deckt selten den Prozess ab, den ein Betrieb tatsächlich fährt. Terminvergabe, Dienstplanung, Angebotserstellung und Dokumentation hängen bei den meisten Mittelständlern an gewachsenen Abläufen, oft verteilt über E-Mail, Excel und ein Branchenprogramm ohne offene Schnittstelle. Ein KI-Pilot, der diese Datensilos ignoriert, produziert ein hübsches Demo und danach nichts. Wirksam wird eine KI-Automation erst, wenn jemand die realen Prozesse aufnimmt, die Systeme verbindet und die DSGVO-Fragen vorab klärt. Das ist Spezialistenarbeit, und sie fällt nicht dauerhaft an, sondern projektweise. Für die Kalkulation heißt das: kein zusätzliches Gehalt im Stellenplan, sondern ein begrenztes Budget für einen konkreten Prozess. Der pragmatische Einstieg ist, sich den zeitfressendsten wiederkehrenden Ablauf im Betrieb vorzunehmen, ihn sauber zu automatisieren und erst danach den nächsten anzugehen.